Andorra als Modell

Unter dem „Modell“ versteht man eine ausgedachte, vorgestellte „fiktive Welt“, deshalb bezieht sich Andorra nicht auf ein Land oder einen Staat. Frisch liefert deswegen eine Vorbemerkung dazu: „Das Andorra dieses Stücks hat nichts zu tun mit dem wirklichen Kleinstaat dieses Namens, gemeint ist auch nicht ein anderer wirklicher Kleinstaat. Andorra ist der Name für ein Modell.“18 Da nun dieses „Andorra“ ausgedacht ist, werden Merkmale, wie z. B das Aussehen der Stadt mit Burgen und Kirchen oder das Aussehen der Häuser, weggelassen. Man findet keinerlei Beschreibungen für den Staat. Auf die Frage, warum er Andorra trotzdem grade so benannt hat, erklärt er so: „Andorra` ist kein guter Titel, der bessere fiel mir nicht ein.“19 Viel wichtiger aber war ihm die Verhaltensweise und die Vorurteile anderen gegenüber, in dem Fall Andri darzustellen. Da diese auf der ganzen Welt und zu verschiedenen Situationen passieren können. Auch in der heutigen Zeit ist man von Vorurteilen umschlossen und kann von diesen nicht davon kommen. Deshalb bezieht Frisch das Stück nicht auf etwas, sondern führt es als „Modell“ auf. Er bezieht sich nicht auf eine historische Situation oder eine bestimmte Zeit, er will nicht, dass sein Stück lediglich auf die Judenverfolgung oder auf den Nationalsozialismus bezogen wird, deshalb benutzt er auch keine Wörter wie Nazi oder ähnliches. Ihm geht es lediglich um die Verhaltensweise Einzelner, das er modellhaft darstellen will. Bezug sieht er auch auf das Verhalten der Schweiz im Zweiten Weltkrieg. Er stellt dar wie der Mensch sich als Marionette verhält. Er ist ein Mitläufer und handelt im Gruppendruck, es kommt zum Massenwahn. Um das Modell besser verstehen zu können, wird es in drei Bereiche unterschieden.

Der erste Bereich ist der psychologisch-existenzielle (persönliche) Bereich: Hier wird dargestellt, wie Andri nicht zu seinem eigenen Ich findet und Probleme hat sich in seiner neuen Identität zu sehen. Andri bekommt ein Bild von der Gesellschaft, aus dem er nicht mehr herauskommt, er wird schlicht und einfach in eine Rolle gebracht, die er in Wirklichkeit nicht ist. Er wird von der Gesellschaft ausgeschlossen, weil er ihren Vorstellungen nicht entspricht.

Der zweite Bereich ist der sozialpsychologische (gesellschaftliche) Bereich: Dieser Bereich zeigt die Wirkung von Menschen auf die Minderheit, also auf den Juden Andri. Wie er allein durch ein Bildnis diskriminiert und schließlich vernichtet wird. Es ist das Bildnis des Antisemitismus, das in den Andorranern ausgeprägt ist, dies erklärt auch die Verhaltensweise gegenüber Juden.

Der dritte Bereich ist der moralisch-ethische Bereich: Dieser Bereich zeigt, wie aus der inneren Unfreiheit der fehlende Mut zur Wahrheit entsteht. In dem Stück ist es der Fall, als der Lehrer sich nicht zu seinem Sohn bekennt, sondern behauptet, es sei ein Judenkind. Ihm fehlt der Mut den Andorranern zu sagen dass er ein Sohn mit einer Schwarzen hat.

Quelle. http://www.klausschenck.de/ks/downloads/h50-hausarbeitandorra-michelle.pdf