Verantwortung in Andorra

Nach jedem Bild kommt es anschließend zu Vordergrundszenen, wo der Tischler,
der Geselle, der Soldat, der Pater, der Lehrer, der Jemand und der Doktor
nachträglich zu dem Geschehen Andris berichten und ein so genanntes „Bekenntnis“
auf einer Zeugenbank abgeben.
Die Andorraner rücken auch nicht vor der Zeugenschranke von ihren antisemitischen
Vorurteilen ab. Alle diese Personen gestehen ihre Schuld an Andris Tod nicht ein,
außer der Pater mit seinem Geständnis „Auch ich bin schuldig geworden damals. Ich
wollte ihm mit Liebe begegnen, als ich gesprochen habe mit ihm. Auch ich habe mir
ein Bildnis gemacht von ihm, auch ich habe ihn gefesselt, auch ich habe an den
Pfahl gebracht“. (S. 65) Mit den Worten „auch ich“ drückt der Pater nicht nur seine
eigene Schuld aus, sondern erwähnt indirekt auch die Schuld der Andorraner.
Die Andorraner denken nicht über ihr schlechtes Verhalten, Feigheit oder ihre
Vorurteile nach. Sie versuchen das Geschehen zu verdrängen und wollen sich somit
nicht mehr mit der Vergangenheit beschäftigen. Keiner von ihnen will auf irgendeine
Weise die Verantwortung übernehmen und bereuen ihr miserables Verhalten nicht
einmal gegenüber Andri.
Einige von ihnen meinen, nicht gewusst zu haben, dass Andri kein Jude ist.
So der Wirt zum Beispiel bei seiner Aussage „Hab ich ihn vielleicht an den Pfahl
gebracht? Niemand von uns hat wissen können…“ (S.24) oder der Geselle „es lag
halt auch an ihm, sonst wär’s nie so gekommen; Ich bin nicht schuld, dass sie ihn
geholt haben später“. (S.36) Sie sind sozusagen weiterhin von ihren Vorurteilen
überzeugt und fühlen sich deshalb unschuldig. Sie sind nicht in der Lage, einen
Zusammenhang zwischen ihrem Antisemitismus und Andris Tod zu erkennen.
Dieses Stück veranschaulicht somit gut die Unfähigkeit der Anodrraner, sich zu ihrer
Schuld zu bekennen und die Verantwortung für ihr schlechtes Handeln zu übernehmen.

http://www.klausschenck.de/ks/downloads/h50-hausarbeit—andorra—von-lorena-standke-.pdf