Cornelia Battenberg


Sie ist eine 25-jährige Rechtsreferendarin ( Als Rechtsreferendariat wird in Deutschland der ungefähr zwei Jahre (früher drei Jahre) dauernde Vorbereitungsdienst nach dem ersten Staatsexamen (amtliche Bezeichnung erste Prüfung, auch Referendarexamen genannt) bezeichnet) . Sie war kurzzeitig Fabians Freundin. Als sich die beiden kennenlernen wohnt Cornelia zufällig auch bei Frau Hohlfeld, Fabians Vermiterin. Cornelia ist intelligent, hat Jura studiert und gilt als eine „Kennerin des internationalen Filmrechts“. Sie ist sehr offen. So erzählt sie Fabian bereits bei ihrer ersten Begegnung im Atelier der lesbischen Bildhauerin Reiter von ihren negativen Erfahrungen mit Männern:

„Ich bin fünfunzwanzig Jahre alt und von zwei Männern wurde ich stehen gelassen.“ (s.90)

Offenbar liegt hierin der Grund, warum Cornelia versucht, ihr Leben finanziell und emotional unabhängig von Männern zu gestalten. So erzählt sie Fabian nach der gemeinsamen Nacht:

„Vorhin, als wir uns umarmten, habe ich geweint. (…) Ich habe geweint, weil ich dich liebhabe. Aber dass ich dich liebhabe, das ist meine Sache, hörst du? Und es geht dich nichts an. Du sollst kommen und gehen, wann du willst. Und wenn du kommst, will ich mich freuen, und wenn du gehst, will ich nicht traurig sein.“ (s.103)

Zwar liebt Cornelia Fabian, sie hat aber Angst, sich emotional zu binden. Für sie ist Liebe ohne emotionale Bindung kein Wiederspruch. Wichtig sind für sie die Karriere und die finanzielle Unabhängigkeit.

Cornelia will um jeden Preis aufsteigen. Zu einer Beziehung ohne Liebe ist sie bereit und in der Lage. Das gibt sie auch im Abschiedsbrief offen zu, also sie Fabian für einen älteren, aber reichen Filmproduzenten verlässt:

„Fünfzig Jahre ist er alt, und er sieht aus wie ein gut angezogener Ringkämpfer im Ruhestand. Mir ist, als hätte ich micht an die Anatomie verkauft. (…) Ich werde nicht zugrunde gehen. Ich werde mir einbilden, der Arzt untersucht mich. Er mag sich mit mir beschäftigen, es muss sein. Man kommt nur aus dem Dreck heraus, wenn man sich dreckig macht.“ (s. 162)

Geld und Karriere sind ihr wichtiger als Liebe. Und Fabian als arbeitsloser germanist taugt dafür nicht. Fabian geht davon aus, dass Cornelia eine düstere Zukunft bevorsteht:

„Du wirst arbeiten, und dann bleibt von einer Frau nicht viel überig. Dwr Erfolg wird sich steigern, der Ehrgeiz wird wachsen, die Absturzgefahr nimmt zu, je höher man steigt. Wahrscheinlich wird er nicht der einzige bleiben, dem du dich ausliefern wirst. Es findet sich immer wieder ein Mann, der einer Frau den Weg versperrt und mit dem sie sich langlegen muss, wenn sie über ihn hinweg will. Du wirst dich daran gewöhnen, den Präzedenzfall hast du ja seit gestern hinter dir.“ (178)

Quelle: Zusammenfassung und ganze Abschnitte aus: May, Yomb (2019: s 57-61): Textanalyse und Interpretation zu Erich Kästner FABIAN Die Geschichte eines Moralisten, Königserläuterungen, Bange Verlag, 3. Auflage, Hollfeld

https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsreferendariat